Tipico bietet heute lizenzierte Sportwetten und eine legale Online Spielothek an. Trotzdem muss das Unternehmen einem Spieler jetzt über 122.000 Euro erstatten. So hat es das Landgericht Koblenz am 14. Oktober 2026 entschieden.
Wie passt das zusammen? Und was gilt in Zukunft für Spieler, die gerne die Angebote von Tipico nutzen möchten?
Heute legal, damals noch in einer Grauzone
Tipico erhielt die deutsche Konzession am 9. Oktober 2020, doch der Kläger, der jetzt sein Geld zurück bekommt, wettete aber von August 2016 bis September 2020.
In dieser Zeit war die Rechtslage umstritten. Das deutsche Konzessionsverfahren galt als europarechtswidrig und viele Anbieter agierten in einer Grauzone, die rechtlich noch nicht geklärt war.
Das LG Koblenz hat nun ein strenges Urteil getroffen: Ohne die nötige Erlaubnis vorweisen zu können, habe Tipico demnach gegen das Online-Glücksspielverbot des damaligen Glücksspielstaatsvertrags von 2012 verstoßen.
Die Begründung des Gerichts
Die Wettverträge sind nach Ansicht des Gerichts nichtig und der Spieler bekommt seine Verluste vollständig zurück. Das Verbot sei ein Schutzgesetz, das vor Spielsucht und wirtschaftlichen Risiken schützen soll. Es verstoße nicht gegen Europarecht.
Dass Tipico früher eine Lizenz beantragt hatte, ändere daran nichts. Das Angebot sei auch deshalb nicht erlaubnisfähig gewesen, weil das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro mehrfach überschritten wurde.
Verjährt sind die Ansprüche ebenfalls nicht, denn wegen des Schutzgesetzes gilt eine Frist von zehn Jahren. Das könnte dazu führen, dass noch weitere Spieler von damals und solche, die bei anderen Anbietern registriert waren, Chancen auf Rückerstattungen haben.
Ein Unterschied zu dauerhaft illegalen Anbietern
Das Urteil betrifft ausschließlich die Vergangenheit. Tipico ist heute lizenziert und reguliert, sodass das Unternehmen sowohl Sportwetten als auch Slots in Deutschland anbieten darf.
Anders liegt der Fall bei Portalen, die bis heute keine deutsche Lizenz vorweisen können. Ihr Angebot ist nicht nur rückblickend, sondern auch aktuell unzulässig und eine Registrierung ist illegal.
Beide Gruppen sollte man nicht in einen Topf werfen, wenn es darum geht, die Seriosität von Anbietern zu bewerten. Tipico ist jetzt legal und damit ein ganz anderer Fall als die zahlreichen schwarzen Schafe, die es in Deutschland leider gibt.
Fällt die Bill No. 55 als Schutzschild weg?
Recht haben und Recht bekommen ist ein Unterschied. Recht bekommen und Geld erhalten sind ebenso zwei Paar Schuhe. Rund um das Tipico-Urteil stellt sich die Frage: Wie setzt man ein Urteil durch?
Hier kommt Maltas umstrittene „Bill No. 55“ ins Spiel. Das Gesetz von 2023 erlaubt maltesischen Gerichten, ausländische Urteile gegen Anbieter aus Malta nicht zu vollstrecken. Ein Rückzahlungsurteil aus Deutschland könnte so ins Leere laufen.
Ob das mit EU-Recht vereinbar ist, prüft der EuGH im Verfahren C-683/24. Generalanwalt Emiliou hält die Bill No. 55 für unzulässig, denn die Regelung diene vor allem dem Schutz der maltesischen Glücksspielbranche.
Das Urteil wird für den 19. November erwartet. Folgt der EuGH dem Generalanwalt, wäre der wichtigste Schutzschild für Anbieter mit maltesischer Lizenz weg und die 122.000-Euro-Erstattung könnte tatsächlich fließen.



