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Fast 6 Mrd. Euro Einsätze: Ermittlungserfolg gegen Organisation für illegales Online-Glücksspiel

Timm Schaffner Timm Schaffner

Nach mehr als drei Jahren verdeckter Ermittlungen ist der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ein bedeutender Schlag gegen eine mutmaßliche Bande gelungen, die illegales Online-Glücksspiels im großen Stil ermöglicht haben soll, wie unter anderem die Tagesschau berichtet.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen fünf Beschuldigte. Ihnen wird vorgeworfen, seit mindestens Juli 2021 durchgehend gewerbs- und bandenmäßig Glücksspiel über das Internet angeboten zu haben, ohne über die dafür erforderliche deutsche Erlaubnis zu verfügen.

Am 8. September 2026 durchsuchten mehr als 100 Einsatzkräfte insgesamt elf Objekte, mit Schwerpunkt auf Frankfurt am Main und das Rhein-Main-Gebiet. Der angebliche Kopf der Bande sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Milliarden-Geschäft im Internet auf Kosten von Spielern und Staat

Das Ausmaß des mutmaßlichen Geschäfts soll beträchtlich sein. Allein zwischen Juli 2021 und Ende 2023 sollen über die Plattformen Spieleinsätze in Höhe von rund 5,86 Milliarden Euro abgewickelt worden sein.

Wichtig zur Einordnung: Diese Summe beschreibt die Spieleinsätze. Sie ist nicht gleichzusetzen mit dem Gewinn der Betreiber oder den tatsächlichen Verlusten der Spieler.

Neben dem unerlaubten Glücksspielangebot wirft die Staatsanwaltschaft der Gruppe vor, fällige Steuern nicht oder nicht vollständig abgeführt zu haben. Allein für das Jahr 2024 gehen die Ermittler von einem Steuerschaden in Höhe von rund 77,6 Millionen Euro aus.

Im Zuge der Durchsuchungen sicherten die Ermittler Vermögenswerte von insgesamt rund 82 Millionen Euro. Dazu zählen mehrere hochpreisige Fahrzeuge, die beschlagnahmt wurden, sowie diverse gepfändete Konten.

Reaktion der Branche: DSWV fordert Neubewertung des Schwarzmarkts

Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) begrüßte den Ermittlungserfolg ausdrücklich. Verbandspräsident Mathias Dahms verwies darauf, dass illegale Anbieter ohne deutsche Lizenz keinerlei Spielerschutz-Mechanismen wie Einzahlungslimits, Spielersperren oder Identitätsprüfungen unterliegen. Legale Online Spielotheken müssen sich selbstverständlich daran halten.

Aus Sicht des DSWV wirft die Dimension des Falls zugleich grundsätzliche Fragen auf. Wenn ein einzelnes Ermittlungsverfahren bereits ein Volumen von fast 6 Milliarden Euro in nur zweieinhalb Jahren offenlegt, müssten die bisherigen Schätzungen zur Gesamtgröße des deutschen Glücksspiel-Schwarzmarkts kritisch überprüft werden.

Der Verband fordert eine konsequentere Bekämpfung illegaler Angebote und eine verlässlichere, datenbasierte Erfassung des Schwarzmarkts.

Gibt es finanzielle Chancen für betroffene Spieler?

Über die strafrechtliche Aufarbeitung hinaus wirft der Fall eine praktische Frage auf: Können Spieler, die bei einem nicht lizenzierten Anbieter Geld verloren haben, ihre Verluste zurückfordern?

Rechtlich ist die Antwort grundsätzlich ja. Ein Spielvertrag mit einem Anbieter ohne die erforderliche deutsche Glücksspiellizenz gilt nach § 134 BGB in Verbindung mit § 4 Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) als nichtig, da er gegen ein gesetzliches Verbot verstößt. Da dem Vertrag damit die rechtliche Grundlage fehlt, können geleistete Einsätze grundsätzlich zurückgefordert werden.

Gestärkt wird diese Position durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 16. April 2026 (C-440/23). Der EuGH bestätigte, dass Deutschland Online-Glücksspiel verbieten und daran zivilrechtliche Folgen wie die Nichtigkeit von Spielverträgen und Rückzahlungsansprüche knüpfen darf.

Betroffene Spieler sollten daher relevante Unterlagen sichern, etwa die vollständige Transaktions- und Spielhistorie, Informationen zum Anbieter und zum Spielzeitraum sowie Nachweise über die damalige Lizenzsituation. Auch die Frage der Verjährung sollte frühzeitig geklärt werden.