Der Glücksspielkonzern Merkur sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, seine Tochterfirma Euro Payment Group (EPG) habe Kreditkartenzahlungen für Scheinfirmen abgewickelt. Grundlage der Vorwürfe sind Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) zur “Operation Chargeback”.
Das Unternehmen, das u.a. als seriöser Betreiber einer lizenzierten Online Spielothek bekannt ist, weist nun zurück, von einem betrügerischen Zweck gewusst zu haben.
Worum geht es in dem Verfahren?
Die “Operation Chargeback” ist ein Ermittlungsverfahren des Bundeskriminalamts und der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz gegen internationale Betrugs- und Geldwäschenetzwerke.
Im Zentrum stehen der Missbrauch von Kreditkartendaten und Zahlungsabwicklungen über Scheinfirmen. Zwischen 2016 und 2021 sollen die mutmaßlichen Täter rund 300 Millionen Euro erbeutet haben. Angeklagt sind unter anderem zwei ehemalige Wirecard-Manager.
Nach BR-Recherchen war die EPG als sogenannter Payment Facilitator zwischen der Wirecard Bank und Online-Händlern tätig. Interne Dokumente des Kreditkartenunternehmens Visa führen rund 30 Händlerfirmen auf, die überwiegend im britischen Consett registriert sind.
Der BR ordnet diese Firmen einem Netzwerk zu, über das Fake-Abos von Pornoseiten abgerechnet wurden. Die Ermittlungsbehörden rechnen die Zahlungsempfänger dem 2024 verstorbenen Ray Akhavan zu.
Merkur streitet Kenntnisse ab
Ein Merkur-Sprecher erklärte gegenüber dem BR, das Unternehmen habe “zu keinem Zeitpunkt Kenntnis” von einem betrügerischen Zweck der abgewickelten Zahlungen gehabt.
Das gesamte Kartenprocessing für Online-Händler sei bereits im Frühjahr 2017 beendet worden. Ehemalige EPG-Führungskräfte äußerten sich auf Anfrage nicht.
Merkur bestätigt jedoch, dass Visa Strafzahlungen verhängt hat. Die daraus entstandenen Ausfälle habe die EPG getragen. Zudem räumt das Unternehmen ein, dass die vom BR genannten Gesellschaften überwiegend Händler im EPG-Portfolio waren.
Visa hatte sich 2016 und 2017 wiederholt bei Wirecard über exzessive Chargeback-Raten beschwert und die EPG intern als “worst case” in Europa bezeichnet. Die Strafen beliefen sich auf mehrere 100.000 Euro. Visa äußerte sich dazu nicht.
Keine Ermittlungen in Deutschland
Die deutschen Ermittler wurden im Fall der EPG bislang nicht tätig. Laut Generalstaatsanwaltschaft Koblenz liegt das daran, dass die EPG über eine Tochterfirma in Malta operierte. Ein Tatverdacht gegen die EPG oder Merkur ist damit weder bestätigt noch ausgeräumt.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen der Abwicklung von Zahlungen und dem Wissen um deren betrügerischen Hintergrund. Merkur räumt Ersteres in Teilen ein und bestreitet Letzteres.
Ob die Vorwürfe weitergehende Folgen haben, hängt davon ab, ob Behörden im Ausland aktiv werden. Bislang liegen dazu keine Erkenntnisse vor.



