Eine Studie aus Ecuador nimmt die psychologischen Muster hinter problematischem Glücksspiel und problematischer Videospielnutzung genauer unter die Lupe und könnte die anhaltende Diskussion zu Lootboxen befeuern.
Das Ergebnis: Beide Gruppen ticken impulsmäßig ähnlicher, als man denken könnte. Doch der Weg in die Zwanghaftigkeit könnte unterschiedlich verlaufen.
Gleiche Impulsivität, unterschiedliche Auslöser
Forschende um María Jara-Rizzo von der University of Guayaquil befragten 165 regelmäßige Videospieler sowie 130 regelmäßige Glücksspieler aus den beiden größten Städten Ecuadors. Grundlage war das sogenannte UPPS-P-Modell, das Impulsivität in fünf Facetten aufschlüsselt. Unter anderem geht es dabei um negative und positive Dringlichkeit, also die Neigung, unter starken negativen beziehungsweise positiven Gefühlen unüberlegt zu handeln.
Überraschend: Im Schnitt unterschieden sich Gamer und Glücksspieler in keiner der fünf Impulsivitätsdimensionen. Entscheidend war stattdessen, welche Art von Dringlichkeit mit Zwanghaftigkeit einherging.
Bei Glücksspielern sagte positive Dringlichkeit (also Impulsivität in euphorischen, aufregenden Momenten) besonders stark zwanghaftes Verhalten voraus. Bei Gamern war es umgekehrt die negative Dringlichkeit, also Impulsivität unter Stress, Angst oder Anspannung.
Bewältigung statt Belohnung
Die Autorinnen und Autoren deuten das so: Zwanghaftes Gaming funktioniert häufiger als eine Art Bewältigungsstrategie gegen emotionalen Stress, während zwanghaftes Glücksspiel stärker mit einer erhöhten Sensibilität für Belohnungsreize zusammenhängt.
54 Prozent der befragten Glücksspieler erreichten den klinischen Grenzwert für eine Glücksspielstörung, bei den Gamern waren es 15 Prozent für eine Internet-Gaming-Störung.
Wichtig zu wissen: Die Studie ist querschnittlich angelegt, erlaubt also keine Aussagen über Ursache und Wirkung. Veröffentlicht wurde sie im Fachjournal Psychological Reports und könnte weitere Forschung auf dem Gebiet anregen.
Welche Implikationen gibt es?
Für Praktiker in Therapie und Prävention liefert die Studie einen klaren Hinweis: Wer Glücksspiel- oder Gaming-Zwang vorbeugen will, sollte nicht pauschal an der Impulsivität ansetzen, sondern an den jeweils dominanten emotionalen Auslösern. Dies ist auch bereits anerkannt, sodass legale Online Spielotheken in Deutschland diverse Regeln befolgen müssen.
Während es eher um Belohnungsreize beim Glücksspiel geht, steht die Stressregulation beim Gaming im Vordergrund. Beim aktuellen Streitthema rund um Lootboxen, könnte beides eine Rolle spielen.
Experten sehen gerade bei jungen Spielerinnen und Spielern ein Risiko, dass positive Dringlichkeit, wie sie die Ecuador-Studie bei Glücksspielern besonders stark mit Zwang verknüpft, durch solche Ingame-Käufe zusätzlich angesprochen wird.
Heißt: Wo Lootboxen eingesetzt werden, verschwimmen die Grenzen zwischen Gaming und Glücksspiel, was zu vielen Problemen führen könnte.


