Das Land Schleswig-Holstein plant bereits seit einiger Zeit, seine vier landeseigenen Casinos zu veräußern. Nun wurde der Verkaufsprozess offiziell eingeleitet. Interessierte Unternehmen können sich ab sofort um den Kauf bewerben, müssen dafür aber voraussichtlich tief in die Tasche greifen.
Das Finanzministerium nennt in der Ausschreibung einen Schätzwert von rund 1,7 Milliarden Euro für die vier bestehenden Standorte in Kiel, Lübeck, Schenefeld und Flensburg sowie ein geplantes fünftes Casino in der Region Bargteheide. Dieser Wert entspricht angeblich den erwarteten Gesamtumsätzen der Spielbanken im Zeitraum 2026 bis 2040 und wird wohl vor allem aus vergaberechtlichen Gründen angegeben.
Geschäft läuft gut, aber Verkaufpreis unrealistisch?
Im vergangenen Jahr besuchten knapp 289.000 Gäste die schleswig-holsteinischen Casinos. Der Jahresumsatz lag bei 52 Millionen Euro, der Gewinn bei rund 16 Millionen Euro. Rund die Hälfte davon floss an eine landeseigene Muttergesellschaft und damit letztlich in den Landeshaushalt. Besonders erfolgreich war das Casino in Schenefeld mit einem Umsatz von fast 23 Millionen Euro.
Schon jetzt ist klar: Der tatsächlich erzielte Kaufpreis für die vier bzw. perspektivisch fünf Standorte dürfte erheblich unter der geforderten Summe liegen. Dass mögliche Investoren kräftig handeln, hat man in Nordrhein-Westfalen gesehen. Dort wurden die staatlichen Casinos vor fünf Jahren für 141 Millionen Euro an die Merkur Group verkauft, obwohl der dortige Ausschreibungsschätzwert bei 2,7 Milliarden Euro lag.
Schleswig-Holstein gibt Kontrolle über Glücksspiel aus der Hand
Der aktuelle Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Spielbanken, Rainer Schepull, steht der Privatisierung allgemein skeptisch gegenüber. Das Land im Hintergrund zu haben, sei z.B. bei Mietverhandlungen ein klarer Vorteil. Ohne einen renditeorientierten Investor könne er zudem mehr Personal einsetzen und Gäste enger betreuen. Dies wäre ein wichtiger Hebel, um Spielsucht zu verhindern.
Auch in der Politik ist das Stimmungsbild nicht einheitlich. Während CDU-Politiker Michael Deckmann den Betrieb von Spielbanken schlicht nicht als Staatsaufgabe ansehe, habe Beate Raudies (SPD) davor gewarnt, nach einem Verkauf weniger Einfluss auf den Spielerschutz zu haben. Ein Antrag auf Stopp der Pläne scheiterte jedoch im Landtag. Aktuell ist aber auch noch nicht bekannt, ob es schon ernsthafte Kaufinteressenten gibt.
Die Privatisierung der stationären Spielbanken ist nicht die einzige Öffnung des schleswig-holsteinischen Glücksspielmarkts in jüngster Zeit. Im September 2024 erteilte das Innenministerium erstmals in Deutschland vier privaten Anbietern eine Erlaubnis für legale Online-Casinospiele, die sonst vom Glücksspielstaatsvertrag verboten werden. Die lizenzierten Anbieter, darunter auch Novoline, müssen dabei strenge Auflagen zum Spielerschutz einhalten und sind auf ein regionales Zielpublikum beschränkt.
Sowohl der Deal mit den Online-Casino-Lizenzen als auch der mögliche Verkauf der stationären Spielbanken könnte (kurzfristig) viel Geld in die klammen Kassen des Bundeslandes spülen. Fraglich ist jedoch, ob es sich dabei um eine nachhaltige Lösung handelt.


