Wer sich bei Google über Sportwetten informieren möchte, wird über die vorgeschlagenen Suchbegriffe manchmal direkt auf dem Schwarzmarkt geleitet, wie das RND berichtet.
Ein Test im August 2026 zeigte: Bei der Eingabe des Wortes „Wetten“ schlug die Suchmaschine prominent Begriffe vor, die auf Angebote ohne die deutschen Spielerschutzsysteme LUGAS und OASIS verwiesen.
Erst nach Medienanfragen reagierte Google und entfernte einen Teil der Vorschläge, wenige Wochen später tauchten jedoch bereits neue vergleichbare Formulierungen auf.
Kritik von Wissenschaft und Branche
Prof. Dr. Andreas Ditsche, CEO der iGaming.com Group und Hochschullehrer, sieht das Kerproblem in der Suchlogik selbst: Google liefere schlicht das, wonach Nutzer suchten. Ein erheblicher Teil der Anfragen ziele bewusst auf Wege ab, Registrierungspflichten oder Steuern zu umgehen.
Auch bei einem Webinar der Initiative Gaming in Europe bestätigten Branchenvertreter dieses Muster bereits im April 2026. SEO-Experte Timothy Malmros Genach erklärte damals, dass Spieler illegale Angebote einfach über Google finden könnten.
Verschärft werde die Lage dadurch, dass illegale Anbieter laut Einschätzung von Experten oft technisch besonders versiert seien und teils sogar zu unlauteren Mitteln wie Angriffen auf die Server legaler Konkurrenten griffen.
Technische Lösungen existieren bereits
Eine technisch umsetzbare und wirksame Gegenmaßnahme gibt es längst. In Großbritannien und Spanien unterdrückt Google entsprechende Suchvorschläge per Geoblocking bereits erfolgreich. In Deutschland fehlt dieser Schritt bislang.
Ditsche fordert daher, dass Konzerne wie Google stärker in die Verantwortung genommen werden. Auch der europäische Branchenverband EGBA unterstützt diese Haltung.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat ebenfalls bereits Maßnahmen von Google erfolgreich eingefordert. Allerdings scheinen immer wieder neue Schlupflöcher aufzutauchen.
Folgen für Spieler und Markt
Wer unwissentlich auf einer illegalen Seite landet, verzichtet auf Einzahlungslimits, Spielsperren und rechtssicheren Datenschutz. Es handelt sich um elementare Schutzmechanismen, die bei lizenzierten Anbietern und legalen Online Spielotheken in Deutschland verpflichtend sind.
Dadurch verlieren regulierte Anbieter Umsätze an einen Schwarzmarkt, der laut Experteneinschätzungen einen erheblichen Teil der Nachfrage im Glücksspielbereich abdeckt und sogar inzwischen bei über 50 % des Gesamtvolumens liegen könnte.
Solange Google in Deutschland nicht dieselben Maßnahmen wie in anderen europäischen Ländern ergreift, dürfte der illegale Teil des Glücksspielmarktes für deutsche Nutzer über die Suchmaschine weiterhin leicht erreichbar bleiben.


