In den Niederlanden nimmt ein nahezu vollständiges Werbeverbot für Online-Glücksspiel immer konkretere Formen an. Staatssekretärin Claudia van Bruggen will nicht nur klassische Werbung, sondern auch Anreize wie Anmeldeboni und Gratiswetten abschaffen. Zudem sollen weitere Schutzmechanismen implementiert werden.
Die Niederlande begründen den Schritt damit, dass immer mehr Menschen, vor allem junge Leute, online zu spielen beginnen und dabei in Schwierigkeiten geraten. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer schrittweisen Verschärfung.
Bankrotterklärung für die Kanalisierung in den legalen Markt
Der Jurist Justin Franssen von der Amsterdamer Kanzlei Franssen Tolboom prophezeit, dass das ursprüngliche Ziel der Kanalisierung, d.h. das Lenken von Spielern zu lizenzierten Anbietern, de facto aufgegeben wurde. Die neuen Pläne kämen einer reinen Schadensprävention gleich.
Das Problem: Für die Wirksamkeit eines Totalverbots gebe es laut Franssen schlicht keine Belege. Selbst die Aufsichtsbehörde Kansspelautoriteit (KSA) habe intern Bedenken gegen ein Totalverbot geäußert.
Die Zahlen stützen diese Skepsis. Der legale Marktanteil ist bereits auf rund 49 Prozent gefallen, während Schätzungen zufolge etwa 95 Prozent der Glücksspielwerbung in sozialen Medien von illegalen Anbietern stammt. Der Branchenverband VNLOK hat deshalb Meta verklagt und Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.
Warnsignale aus Dänemark und Italien
Andere Länder liefern ernüchternde Vergleichswerte. In Dänemark, wo statt eines Totalverbots nur strengere Werbeauflagen gelten, ist die Kanalisierungsrate binnen weniger Jahre von 90 auf 70 Prozent gesunken.
Der unlizenzierte Markt wächst nach Angaben der Branchenvereinigung Spillebranchen rasant. Auch In Italien, das seit 2018 ein fast komplettes Werbeverbot umgesetzt hat, wird der Schwarzmarkt inzwischen auf 22 Milliarden Euro geschätzt.
Was könnte tatsächlich wirken?
Eigentlich liefert die niederländische Politik selbst ein Gegenbeispiel für funktionierende Regulierung. Denn ein 2024 eingeführtes Einzahlungslimit-System senkte den Anteil der Spieler, die ihre Monatsgrenzen überschreiten, von 9,7 auf 2,2 Prozent. Die durchschnittlichen Verluste sanken um rund 31 Prozent.
Gezielte, überprüfbare Instrumente wirken also messbar. Ein Totalverbot würde laut Experten vor allem riskieren, legale Anbieter aus dem Sichtfeld der Nutzer zu verdrängen und die Bühne den illegalen Anbietern zu überlassen.
Für Deutschland, dessen Regulierung über GlüStV und LUGAS teils ähnliche Schutzmechanismen nutzt, könnte der niederländische Weg zur Warnung werden. Die legalen Online Spielotheken in Deutschland warnen schon seit langer Zeit vor zu strengen Regeln.


